Siemens saniert das von Steinschlag zerstörte Kraftwerk Mühlbach in Rekordzeit

Autor: Roland Gruber , 01.06.2020

Nicht zuletzt durch den Klimawandel ist in den letzten Jahren auch die Steinschlaggefahr im Hochgebirge gestiegen. Zu einem dramatischen Vorfall dieser Art war es im März 2019 in der Gemeinde Bramberg ...

... im Salzburger Oberpinzgau gekommen, als das Kraftwerk Mühlbach durch abstürzenden Fels und Geröll verwüstet wurde. Die elektro- und leittechnische Ausrüstung wurde dabei komplett zerstört. Um eine lange Stillstandszeit und somit einen hohen wirtschaftlichen Ausfall zu vermeiden, wandte sich der Betreiber an Siemens Small Hydro in Salzburg. Das Kompetenz-Center für Kleinwasserkraft bewies dabei nicht nur seine technische Kompetenz, sondern auch seine besondere Flexibilität. In einem Zeitraum von nicht einmal 90 Tagen gelang es dem Team von Siemens Small Hydro, die komplette leittechnische Ausrüstung sowie die gesamte Niederspannungsversorgung zu ersetzen – ein echter Meilenstein für die Profis aus Salzburg.

Es waren enorme Regenmengen, die an jenem ersten Wochenende im März dieses Jahres über der kleinen Pinzgauer Gemeinde Bramberg am Wildkogel niedergingen. Und der Starkregen sollte ein dramatisches Ereignis nach sich ziehen: Am frühen Nachmittag des 3. März 2019 kam es zu einem Felssturz am Ausgang des Mühlbachtals. Geröll und ein Gesteinsbrocken mit 2,5 m Durchmesser und circa 30 Tonnen Gewicht verschütteten das Kraftwerk Mühlbach. Die Zufahrtsstraße sowie die unmittelbare Umgebung wurden durch die zuständige Behörde umgehend gesperrt. Erst zwei Wochen nachdem eine Überprüfung und die Begehung durch den Landesgeologen sowie erste Felssturzsicherungsmaßnahmen eingeleitet worden waren, konnte eine Schadensfeststellung an der elektro- und leittechnischen Anlage durch das Team der Firma Siemens durchgeführt werden.
Als Folge des Felssturzes wurde die Betondeckenkonstruktion des Kontrollraumes stark in Mitleidenschaft gezogen und in weiterer Folge die darin befindlichen elektro- und leittechnischen Einrichtungen durch herabfallende Betonteile der Decke stark beschädigt. Die Deckbleche der Schaltschränke wurden so stark zerstört, dass auch ein Wassereintritt in das Innere der Schaltschränke erfolgte – und somit an eine Instandsetzung mit den bestehenden Komponenten nicht mehr zu denken war.

Anlagenstillstand unter 90 Tagen
Nach der Schadensaufnahme wurde schnell klar, dass die elektro- und leittechnischen Einrichtungen komplett zu erneuern sind. Der Lieferumfang umfasste im Detail die Eigenbedarfsversorgung 400VAC, die AC/DC-Haupt- und Unterverteilung, die Batterie- anlage, den elektrischen Netz- und Maschi-i nenschutz, die Erregereinrichtung, die Maschinenautomatik- und Turbinenregelung, das SCADA-System, die Kommunikationsanbindung an die zentrale Leitwarte sowie die komplette Demontage und Montage sowie die Inbetriebnahme. Die Lieferzeit für ein derartiges Technikpaket beträgt in der Regel circa 6 Monate. Ein derart langer Anlagenstillstand wäre eine enorme wirtschaftliche Belastung für den Betreiber gewesen, zumal die Engpassleistung des Maschinensatzes bei rund 5 MW liegt. In Anbetracht dieser Ausgangslage wurde dem Kunden von Siemens ein Umbau- und Sanierungskonzept vorgeschlagen, das die Lieferzeit um mindestens 50 Prozent reduziert. Siemens garantierte dem Kunden dabei einen Anlagestillstand von maximal 90 Tagen – gerechnet von der Beauftragung bis zum wiederhergestellten Netzbetrieb. Und – man hielt Wort. Nicht zuletzt dank der guten Performance und der Effizienz des Siemens Small Hydro Teams in Salzburg, sowie der engen Kooperation zwischen dem Kunden und den handelnden Personen bei Siemens sowie jenen von anderen Gewerken wurde die garantierte Zeit von 90 Tagen sogar noch um einige Tage unterboten. Somit konnte das Kraftwerk Mühlbach in Rekordzeit wieder ans Netz gehen.  Am Ende konnten die Wasserkraftspezialisten aus Salzburg einen mehr als zufriedenen Kunden für sich gewinnen und zugleich auch ein Versicherungs- unternehmen beeindrucken, das aufgrund der Schnelligkeit der Wiederherstellung positiv überrascht war.

Sipocon-H-1703 Turbinenregler mit optimierter Düsenanwahl
Im Zuge der Anlagenerneuerung wurde erstmalig auch ein neuer Turbinenregler-Algorithmus für mehrdüsige Pelton-Turbinen der Sipocon-H-1703 Reihe eingesetzt. Dabei werden Düsenmuster definiert, um in jedem Betriebspunkt der Anlage den bestmöglichen Wirkungsgrad zu erzielen. Die Anzahl und Anordnung der Düsen wird so gewählt, dass das Laufrad immer symmetrisch vom Wasser angeströmt wird. Die Verfügbarkeit der Düsen wird dauerhaft überwacht. Fällt eine Düse aufgrund einer Signalstörung aus, wird automatisch ein neues optimiertes Düsenmuster festgelegt. Kann kein optimiertes Düsenmuster mehr gefunden werden, so wird schlussendlich auf eine Standard-Reihenfolge zurückgegriffen. Auf Basis dieser intelligenten Auswahl der Düsenmuster kann die Effizienz der Turbine gesteigert werden. Mit Sipocon-H hat Siemens ein richtungsweisendes Steuerungstool entwickelt, das höchste Sicherheit, Effizienz und Verfügbarkeit sicherstellt. Es kann individuell auf die Anforderungen der Anlagen sowie die Wünsche des Benutzers angepasst werden.

Wirtschaftliche Lösungen vom Profi
Siemens hat jahrzehntelange Erfahrung und eine installierte Basis von hunderten Kleinwasserkraftwerken in der ganzen Welt. Das Unternehmen ist bekannt für seine technologische Kompetenz und fundiertes Know-how für die Errichtung und Modernisierung von Wasserkraftwerken sowie für seinen hervorragenden Service. Als Systemanbieter hat Siemens umfassende Kenntnisse bei der Realisierung schlüsselfertiger Projekte. Der Betreiber profitiert von hoher Profitabilität und Anlagenverfügbarkeit sowie von geringen Betriebskosten. Die Vielzahl der Siemens Niederlassungen gewährleistet eine effiziente und persönliche Betreuung vor Ort.

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Das Kraftwerk Mühlbach wurde nicht nur wiederhergestellt, sondern von der Firma Siemens zudem auf den Letztstand der Technik gebracht.

Foto: Siemens

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Im März 2019 wurde das Kraftwerk Mühlbach im Salzburger Oberpinzgau durch einen Felssturz schwer in Mitleidenschaft gezogen. Dabei drang Wasser in das Innere der Schaltschränke ein, wodurch diese vollständig zerstört wurden.

Foto: Siemens

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Dem Team des Salzburger Kompentenzzentrums für Kleinwasserkraft von Siemens gelang es, in der Folge das Kraftwerk in weniger als 90 Tagen auf den Stand der Technik und schließlich ans Netz zu bringen – ein erfolgreich umgesetzter Auftrag in rekordverdächtiger Zeit.

Foto: Siemens

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Ein Gesteinsbrocken mit 30 Tonnen und jede Menge Geröll stürzten auf das Kraftwerksgebäude in Bramberg.

Foto: Siemens